thinktank Politikbrief

Die erste Priorität der „Bildungsrepublik“

Philipp Schuller

von Philipp Schuller

Demografie, Bildung, Wachstum – alles gehört zusammen. Um das  Verhältnis zwischen Arbeitsphasen und Nichtarbeitsphasen im Leben  trotz stetig wachsender Lebenserwartung im Gleichgewicht zu halten,  müssten wir nicht bis 67, sondern im Schnitt eher bis 75 arbeiten.  Doch die Meisten der geburtenstarken Jahrgänge werden schon mit 55  oder 60 chancenlos sein, weil sie seit der Erstausbildung nicht mehr  nachgelegt haben. Deutschland hat die niedrigsten  Weiterbildungsquoten, die niedrigste Zahl von mid-career  Hochschulabschlüssen und die geringsten Quereinsteigerraten unter den  entwickelten Ländern. Viele wissen, dass ihr Können in zehn Jahren  zum alten Eisen gehören wird, dass sie aber noch vierzig Jahre leben  werden. Sie haben Angst und das ist tödlich fürs Wachstum. In einer  Bildungsrepublik müsste die erste Priorität sein: Jedes Jahr 300.000  Facharbeiter über 40 mit einer hochschuläquivalenten Weiterbildung  auszustatten, damit sie im Vertrauen auf die eigene Erwerbskraft  weniger sparen und mit ihren Ausgaben das Wachstum ankurbeln können.

Philipp Schuller ist Investment Manager und Co-Autor des Geschäftsplan 
Deutschland, der die Grundlagen für einen nationalen Entwicklungsplan 
der nächsten 25 Jahre skizziert (Schäffer-Poschel).

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