thinktank Politikbrief
Erstausbildung reformieren und Weiterbildung fördern
von Christian Ebner
Seit Anfang der 90er Jahre verlieren Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung gegenüber (Fach-)Hochschulabsolventen am Arbeitsmarkt drastisch an Boden – mit einer heute mehr als doppelt so hohen Arbeitslosenquote. Aber was kann getan werden, um Personen mittleren Qualifikationsniveaus besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren?
Zum ersten gilt es, das duale Ausbildungssystem an vielen Ecken zu reformieren. Die Zahl von heute circa 350 zu erlernenden Ausbildungsberufen ist im internationalen Vergleich extrem hoch. Mit einer deutlichen Reduktion der Zahl der Ausbildungsberufe und der
Einführung einer breiten beruflichen Grundausbildung zu Beginn der Ausbildung könnten Ausbildungsabsolventen flexibler am Arbeitsmarkt tätig werden.
Während die betrieblichen Ausbildungsinhalte in Ausbildungsordnungen deutschlandweit genau festgeschrieben sind, fallen die schulischen Ausbildungsinhalte unter die Länderhoheit, was Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Betrieb und Berufsschule zur Folge hat. Dem Bund sollte daher die Zuständigkeit für beide Lernorte übertragen werden. Das duale Ausbildungssystem setzt zudem stark auf den Industriesektor, in dem sich die Beschäftigtenanteile aber seit langem reduzieren. Dienstleistungsberufe, die ein breites
theoretisches Wissen verlangen, gewinnen dagegen an Bedeutung. Notwendig werden daher verstärkt berufliche Umschulungen in Zukunftsbranchen. Insbesondere gilt es, Hürden für Lehrabsolventen abzubauen, sich an Hochschulen (und damit) in expandierenden Berufen weiterbilden zu können.
Christian Ebner ist Doktorand in der BMBF-Nachwuchsgruppe „Education and Transitions into the Labour Market“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).
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