thinktank Politikbrief

Neuartige Ideen brauchen die Förderung einer Kultur des Wissens

Dr. Roman Brinzanik

Von Dr. Roman Brinzanik

Die Deutschen und ihre politische Klasse scheinen gleichzeitig innovationsmüde zu sein und Zukunftsangst zu haben. Als ob die Herausforderungen – Stichworte demografischer Wandel, Klimaveränderung, Welthunger – nicht gewaltig wären und man nicht durch Umsetzung  kreativer Ideen, die Zukunft zum Besseren hin gestalten könnte. Es geht bei den notwendigen Innovationen nicht so sehr um die künstliche Schaffung neuer Konsumgüter zur kurzfristigen Arbeitsplatzerhaltung in Deutschland, sondern um übergeordnete Werte, lokal um Erhalt und Ausbau von Freiheit und Wohlergehen des Einzelnen und global um eine gerechte und nachhaltige Verteilung dieser Güter. Nur Ansätze und Produkte, die diesen Zielen dienen, werden sich durchsetzen, siehe Dampfmaschine und Internet. Neuartige Ideen sind nur möglich durch die Förderung einer Kultur des Wissens, der Kreativität und des kritischen Denkens. Hierzu bedarf es der bestmöglichen Bildung aller, gemäß ihrer Talente. Und vor allem die neugiergeleitete, zweckfreie Grundlagenforschung führt zu einer unverstellten Analyse der Probleme und zu unvorhergesehenen Lösungen. Bei neuen Ansätzen, Stichworte grüne Gentechnik, Stammzellforschung, neuartige Verteilung von Arbeit und Einkommen, sind rationale, ehrliche und ergebnisoffene Argumentationen über Chancen und Risiken notwendig, ohne Denkverbote. Wenn man nach längeren Auslandsaufenthalten zurück kommt, stellt man erschrocken fest wie hierzulande ideologisiert, moralisiert und emotionalisiert wird, oft bei Unkenntnis der Sachlage und mit verkrampftem Festhalten an überkommenen Vorstellungen von Natur, Gesellschaft und Moral. Hier muss zuallererst ein Mentalitätswandel her. Von der Politik erwarte ich, dass sie die Bürger nicht unterschätzt, sondern vorangeht und Überzeugungsarbeit leistet. Vor allem eine Krise bietet hervorragende Chancen für notwendige Veränderungen.

Roman Brinzanik ist promovierter Physiker und derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin. Er forscht an der Systembiologie und den molekularen Ursachen für Krebs und Fettleibigkeit. Zusammen mit dem Autor Tobias Hülswitt arbeitet er an einem Interview-Buch über die Zukunft von Mensch und Technologie, das im Frühjahr 2010 im Suhrkamp-Verlag erscheinen soll.

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