thinktank Politikbrief

Plädoyer für eine kluge Zeitpolitik

Christian Schüle

von Christian Schüle

Wichtigstes Gut und wertvollste Ressource einer zeitgemäßen  Arbeitswelt ist „Zeit“. Jeder Bürger soll deshalb gesetzlich  verankert ein „Zeit-Guthaben“ und das „Ziehungsrecht“ für ein  Quantum zwischen fünf bis acht Jahren Lebenszeit über seine Biografie  hinweg erhalten. Er kann dieses Quantum am Stück oder in Teilen zu  einem von ihm selbst bestimmten Zeitpunkt für individuelle Zwecke wie  Weltreisen, berufliche Weiterbildungen, Elternschaften, Sabbaticals  und dergleichen „ziehen“. Ist die Auftragslage eines Unternehmens  gut und arbeiten die Angestellten mehr als betrieblich vereinbart,  lassen sie sich ihre Überstunden auf ein für sie eingerichtetes Zeit-Konto buchen. Ist die Auftragslage schlecht oder herrscht Flaute,  können die Angestellten – ohne das regelmäßige Einkommen  einzubüßen – ihr Zeit-Guthaben en bloc nehmen. Für das  langfristige Ziel der neuen kulturellen Ordnung eines Gemeinwohlstaats  liegen die Vorteile eines Rechts auf eigene Zeit auf der Hand: die  weit bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Selbstbestimmung und 
Eigenverantwortung des Individuums, kreative Gestaltung von Geben und  Nehmen, kurzum also: höhere Lebensqualität.

Christian Schüle war Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT und lebt  jetzt als freier literarischer Autor, Essayist und Publizist in  Hamburg. Im Piper Verlag sind die Bücher „Türkeireise“,  „Deutschlandvermessung“ und zuletzt „Vom Ich zum Wir“  erschienen.

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