thinktank Politikbrief

Regierungsprogramm für die Bildungspolitik

Prof. Dr. Ludger Wößmann

von Prof. Dr. Ludger Wößmann


Um gestärkt aus der Krise hervorzugehen und langfristig auf einen  höheren Wachstumspfad zu gelangen, muss Deutschland sein  Bildungssystem verbessern. Eine qualitativ hochwertige Bildung der  Bevölkerung ist nicht nur die entscheidende Determinante für  zukünftiges wissensbasiertes Wachstum, sondern auch für  Chancengleichheit. Auch wenn Bildungspolitik zum Großteil Ländersache  ist, kann die Bundesregierung hier Einiges tun. Die fünf wichtigsten  Handlungsfelder der neuen Regierung im Bildungsbereich sind:
1. Die Bundesregierung, die für die Bildungsforschung zuständig ist,  muss die empirische Wende in der Bildungsforschung konsequent  vorantreiben. Nur mit dem Wissen, was wirkt und was nicht, können  zielgerichtete, ressourcenschonende und wirksame Reformen umgesetzt  werden. Ansonsten pumpen wir weiterhin Geld ins System, ohne dass es  nennenswerte Verbesserungen bringt.
2. Die Bundesregierung muss bei ihrer Initiative zum Ausbau der  frühkindlichen Bildung verstärkt auf Qualität statt Quantität  setzen und darauf abzielen, dass die Mittel insbesondere bei Kindern aus bildungsfernen Schichten ankommen. Ziel muss es sein, eine  qualitativ hochwertige frühkindliche und vorschulische Bildung für  alle zu sichern.
3. Die Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass die  Bildungsleistungen der Kinder und Jugendlichen regelmäßig in  bundeseinheitlichen Leistungstests überprüft werden. Das ruft Schulen  wie Landespolitiker zur Verantwortung für das Erreichte  geradezustehen. So entsteht Wettbewerb, der die Bildungsergebnisse  verbessert.
4. Damit kein leistungsfähiger Schüler durch Studiengebühren von  einem Hochschulstudium abgeschreckt wird, braucht Deutschland ein  allgemeines, einfaches und allseits bekanntes System  einkommensabhängig rückzahlbarer Studienkredite. Diese Kredite  müssen dann und nur dann zurückgezahlt werden, wenn das eigene  spätere Einkommen einen Mindestwert überschreitet. Aufgrund der hohen  Mobilität der Studierenden sollte ein solches System Aufgabe des  Bundes sein, etwa durch Angliederung an das BAföG-System.
5. Schließlich sollte die Bundesregierung eine nationale Diskussion  über das richtige Bildungssystem anzetteln: Wenn Deutschland zur  „Bildungsrepublik“ werden soll, dann muss sich in den  Bundesländern sehr viel tun. Damit das nicht zur Regionalposse  verkommt, muss das Thema als nationale Aufgabe betrachtet werden.

Ludger Wößmann ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insb.  Bildungsökonomik an der Ludwig-Maximilians-Universität München  und Bereichsleiter Humankapital und Innovation am ifo Institut für  Wirtschaftsforschung.

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