thinktank Politikbrief
Wirtschaftliche Verantwortung in der Krise
von Caroline Waldeck
Hierarchische Führungs- und Entscheidungsstrukturen lassen in vielen Unternehmen wenig Raum für individuelle Verantwortung. Es waren einfache Bankangestellte, die Geringverdienern zu Immobilienkrediten und Rentnern zu Lehmann-Zertifikaten verhalfen. Sie hatten die Wahl entweder die Zielvorgaben zu erfüllen oder den eigenen Arbeitsplatz aufs Spiel zu setzen. Ihre Vorgesetzten konnten sich auf eine Unternehmensstrategie berufen, die wiederum den Sachzwängen des Wettbewerbs geschuldet war. So wird Verantwortung für die gesellschaftlichen Folgen individuellen Handelns aus dem – oft
berechtigten! – Gefühl der Ohnmacht heraus an die jeweils nächst höhere Ebene abgeschoben, die die Rahmenbedingungen des eigenen Handelns diktiert. Der Schwarze Peter landet schließlich bei der Politik, die den rasanten Veränderungen auf globalisierten Märkten im Bemühen um angemessene Regulierung nur hinterher eilen kann. Wirtschafts- und unternehmensethische Fragen können nicht ausschließlich auf politischer Ebene gelöst werden. Auch in Unternehmen müssen sich Strukturen ändern. Wo Mitarbeiter keinen Einfluss auf strategische Entscheidungen und damit auf die Bedingungen des eigenen Handelns haben, sind ihre Möglichkeiten beschränkt als Einzelne Verantwortung für das große Ganze zu übernehmen. Können Unternehmen, die doch im Hinblick auf ihre Leistungs- und Innovationskraft auf motivierte Vordenker angewiesen sind, sich das noch leisten? Durch neue Organisationsstrukturen eine Wirtschaft- und Unternehmenskultur der Verantwortung zu schaffen, sehe ich als eine der Aufgaben der nächsten Generation.
Caroline Waldeck ist Mitbegründerin der Radius 1 Strategieberatung GmbH & Co. KG, die Unternehmen mit einem innovativen Beratungsansatz bei der Optimierung ihrer Organisations– und Entscheidungsstrukturen unterstützt.
Kommentieren
Richtlinien
Das Unternehmen berlinpolis GmbH und der Verein berlinpolis e.V. erkennen die Richtlinien „DRPR-Richtlinie zur Kontaktpflege im politischen Raum" und „Code de Lisbonne" an.




Kommentare
Keine Kommentare vorhanden